Urzeit und Altertum
Die archäologischen Grabungen auf dem Areal der Klosteranlage St. Johann in Müstair haben in den letzten Jahrzehnten des 20 Jahrhunderts neue Erkenntnisse über die Frühgeschichte des Münstertals gebracht. Man weiss heute, dass es in Müstair bereits in der frühen Bronzezeit ( etwa seit 2000 v.Chr.) eine Dauersiedlung gab. Zahlreiche Funde belegen auch für die Hallstattepoche und für die Römerzeit eine Besiedlung des unteren Münstertals. Es wird heute angenommen,dass es vom Münstertal aus noch Verbindungen zu den Kulturen im Raum Vinschgau–Engadin–Veltlin gab. Einzelfunde aus der Bronzezeit am Umbrail,im Val Mora, im Val Scharl und am Ofenberg lassen vermuten, dass die Bergübergänge in die benachbarten Talschaften bereits sehr früh bekannt waren.
Die vorchristlichen Volksgruppen der alpinen Täler werden unter dem Begriff Räter Zusammengefasst. Überreste ihrer Sprache sind noch heute in Flurnamen und in der Alltagssprache der Romanen erhalten. („ Padnal“= Burg, Wehranlage;“Frosla“ = Hagenbutt)
Römerzeit und Frühmittelalter
Nach der Eroberung der Alpentäler durch die römischen Feldherren Drusus und Tiberius (15v. Chr.) entstand die Provinz Rätien. Kaiser Claudius liess die Via Claudia Augusta ausbauen, die von der Poebene bis zur Donau reichte. Sie führte durch das Etschtal über den Reschenpass bis zur Provinzhauptstadt Augsburg. Bei Mals kann man eine Weggabelung ins Münstertal annehmen. Von hier aus führte dann vermutlich ein Saumpfad über den Umbrailpass nach Bormio, ein Weg, der für den Warentransport,für die Jagd und den Viehtrieb ebenso wie für Kriegszüge genutzt werden konnte.
Nach dem Ende des Römischen Reiches (476) kam der Vinschgau mit seinen Nebentälern unter die Herrschaft des Ostgotenkönigs Theoderich. Später wurde Rätien in das Reich der Franken eingegliedert, das bis in den Raum von Meran reichte. Die Bischöfe von Chur waren weltlichen Verwalter in diesem Teil des Frankenreichs.
Als die Bayern die politische Macht im Etschtal übernahmen und die Langobarden südlich der Alpen die grossen Herrscher waren, erlangte Müstair an der Ostgrenze des fränkischen Reiches eine strategisch wichtige Stellung. Von diesem Stützpunkt aus konnte der Nord-Süd- Verkehr und damit auch die politische Veränderungen im Vinschgau beobachtet und überwacht werden.
773/74 besiegte Karl der Grosse die Langobarden, eroberte ihre Hauptstadt Pavia und nahm den Titel „ Rex Langobardorum“ ( König der Langobarden ) an. 788 besiegte Karl Herzog von Bayern, TassilioIII., setzte ihn ab, verbannte ihn in ein Kloster und gliederte dessen Herzogtum wieder in das Frankenreich ein. In die Zeit nach 770 fällt auch der Bau der monumentalen Klosteranlage von Müstair mit den berühmten karolingischen Wandmalereien in der Klosterkirche. Die Klostergründung fällt demnach in die Regierungszeit Karls des Grossen, und sie passt auch genau in die Politik und Diplomatie des mächtigen Königs der Franken. An der Klostergründung haben wohl auch die Bischöfe von Chur mitgewirkt. Sie waren von Karl mit der weltlichen Verwaltung in Rätien betraut worden. St. Johan war ursprünglich auch bischöfliches Eigenkloster und wurde erst im Jahre 806 direkt dem kaiserlichen Besitz unterstellt.
Die ersten Mönche von Müstair stammten aus der Benediktinerabtei Pfäfers. Ihnen ist die Erschliessung und Besiedelung des oberen Münstertals zuzuschreiben.Die ausgedehnten Wälder wurden gerodet und nutzbar gemacht. An diese Tätigkeiten der Siedler erinnern noch Flurnamen wie „Runc“ (von lat.runcare = roden,jäten) und „Mundaditschas“ ( von lat.mundare = reinigen, reuten ).
So entstanden neue Ortschaften, die mit der Zeit eine gewisse Selbstständigkeit und Unabhängigkeit erlangten. In Sta. Maria wurden verschiedene Kapellen gebaut und sogar ein Hospiz errichtet, das der Aufnahme von Pilgern, Armen und Kranken dienen sollte. Es befand sich vermutlich an der Strasse , die über den Umbrailpass führte. Diese Verkehrsverbindung nach Bormio gewann immer mehr an Bedeutung für den Waren und Personenaustausch zwischen Tirol und Veltlin. In Müstair wurde bereits im 13.Jahrhundert jeweils anfangs September ein wichtiger Markt abgehalten. Das entsprechende Marktrecht besass der Bischof von Chur. Er verlieh es für viel Geld seinen Vasallen, den mächtigen Herren von Matsch.
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