Waldfläche
Im Val Müstair sind 26% der Gesamtfläche bewaldet, total 5'023 ha. Die Waldfläche pro Kopf der Bevölkerung beträgt 2.8 ha, was vergleichbar ist mit den waldreichsten Gebieten Europas.
Eigentum
Die Besitzesverhältnisse sind im Val Müstair einfach: praktisch die gesamte Waldfläche (98%) befindet sich im öffentlichen Besitz der Gemeinden, des Klosters St.Johann und der Gemeinde Taufers (I).
Situation
Auf 33% der Waldfläche stocken Wälder mit besonderer Schutzfunktion. Sie schützen direkt oder in Kombination mit technischen Massnahmen Siedlungsgebiete und Ver-kehrswege vor Naturgefahren. Die Pflege und Nutzung dieser Wälder sind unabding-bare Voraussetzungen für das Leben im Val Müstair.
Mehr als die Hälfte der Waldfläche im Val Müstair befindet sich an der orografisch rechten Talseite. Dies sind wichtige Schutzwälder auf relativ guten Standorten mit wenig Problemen.
Knapp ein Drittel der Waldungen befinden sich auf der linkenTalseite, die durch verschiedenartige Probleme und Konflikte geprägt ist (Rutschgebiete, Wald-Weide, Wintereinstandsgebiete Wild, Trockenheit).
Gerade 6% der Waldfläche befinden sich im Val Mora, das nicht in den Rom, sondern in den Inn entwässert. Der Wald hat hier v.a. eine landschaftsgliedernde Funktion.
Pro ha stehen 330 Bäume mit einem Vorrat von 190 m3 (48% Fichte, 32% Lärche, 10% Arve, 8% Berg- und Legföhre, 1% Waldföhre und 1% Laubholz). Die dicksten Bäume über 60 cm BHD sind eher selten im Val Müstair - aus ökologischen Gründen werden diese bei der Nutzung geschont.
Naturgefahren
Der Rom, der Hauptfluss des Val Müstair, nimmt auf seinen 13 Kilometern bis zur Landesgrenze 27 Seitenbäche auf. Davon gelten 13 als ausgesprochene Wildbäche mit ausgeprägten Schuttkegeln im Talgrund. Praktisch die gesamte Talsohle liegt im Bereich von Murgangablagerungen. Seit der Besiedlung der Talschaft sind die Dörfer immer wieder von Murgängen heimgesucht worden. Schutzwaldpflege, Ausführung und Instandhaltung von Schutzbauten sind Daueraufgabe der Gemeinden.
Lawinenniedergänge bis in die Siedlungsgebiete sind im Val Müstair eher selten, letztmals 1951. Technische Schutzbauten und Schutzwälder (Bannwälder) leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit von Mensch und Infrastruktur
Das Val Müstair ist ein trockenes Südtal und naturbedingt waldbrandgefährdet. Die Spuren des letzten Grossereignisses von 1983 verheilen langsam.
Projektarbeiten
Zielsetzung aller forstlichen Projekte im Val Müstair ist eine generelle Erhöhung der Sicherheit für Wohngebiete und Verbindungsstrassen mittels
- Stabilisierung von Erosions- und Rutschgebieten durch Verbaumassnahmen, Entwässerung und Aufforstung
- Erhaltung und Sicherung der Funktionstüchtigkeit der technischen Anlagen (Entwässerungssysteme, Wildbachsperren, Lawinenverbauungen, Erschlies-sungsanlagen)
Zum Schutze von Aufforstungen und Grünverbaumassnahmen erfolgen Wild- und Weideausschluss. Alle Gemeinden des Val Müstair haben die Wald-Weide geregelt.
Forstbetriebe
Murgangereignisse und Unwetterkatastrofen veranlassten die Gemeinden, ausge-zeichnet organisierte Forstbetriebe aufzubauen und damit Arbeitsplätze und Lehr-stellen für die einheimische Bevölkerung zu schaffen. Die Motivation von Forstwart und Waldarbeiter für die Ausführung von Sanierungs- und Pflegearbeiten zugunsten „seines“ Dorfes ist naturgemäss vorhanden.
Heute bieten die 3 Forstbetriebe Fuldera-Lü-Tschierv, Sta.Maria-Valchava und Müstair gesamthaft 17 Ganzjahresstellen. Fachlich sind die Betriebsleiter/ Revier-förster dem Amt für Wald Südbünden unterstellt.
Die Holzvermarktung erfolgt seit 1942 für alle öffentlichen Waldeigentümer gemeinsam über das Consorzi forestal Val Müstair.
Entwicklung
In den letzten Jahrzehnten haben sich die Verhältnisse für die Waldbewirtschaftung stark verändert. Die Gesellschaft erwartet immer umfangreichere und bessere Schutzleistungen des Waldes gegen Naturgefahren. Durch Lawinen, Steinschläge oder Hochwasser unterbrochene Verkehrsverbindungen, Schäden an Siedlungen und Kulturland werden durch die Öffentlichkeit immer weniger akzeptiert. Die Natur und insbesondere der Wald werden aber auch vermehrt als Erholungsraum benützt. Einerseits wird der Wald als Oase der Ruhe gesucht, andrerseits als Sportstadion für Varianten- und Tourenskifahren, Orientierungsläufe, Vita- und Bikeparcuors etc.
Für den Natur- und Landschaftsschutz ist der Wald ein noch weitgehend intaktes Ökosystem, welches vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bietet. Die Wildpopulationen haben in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, während gleichzeitig ihre Lebensräume immer mehr eingeengt und zerschnitten wurden.
Die Bedeutung der Holzproduktion für den Waldeigentümer hat parallel zur Zunahme der Schutz- und Wohlfahrtsfunktion abgenommen. Die Forstbetriebe können ihre Ausgaben mit den Erträgen aus der Holzproduktion seit Jahren nicht mehr decken. Die Waldbewirtschaftung konnte nur dank Beiträgen von Bund und Kanton aufrecht-erhalten werden.
Probleme
Die unterschiedlichen Interessen an Wald und Waldnutzung führen zu Konflikten, denn es sind nicht immer alle Ansprüche auf der gleichen Fläche erfüllbar.
Die finanziellen Mittel von Bund, Kanton und Gemeinden werden immer knapper; eine umfassende Waldbewirtschaftung kann nicht mehr gewährleistet werden.Die im WEP vereinbarten Ziele und Massnahmen können nicht mehr erfüllt werden (Schutzmassnahmen, Schutzwaldpflege, Instandhaltung Infrastrukturen) Direkt ge-koppelt mit der finanziellen Situation der Öffentlichkeit ist die Zahl der Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft. Einsparungen von Beiträgen z.G. der Waldwirtschaft bewirken unmittelbare Arbeitsplatzverluste im Val Müstair.
Die Rundholzpreise haben sich nach den grossen Sturmschadenereignissen Vivian und Lothar nicht mehr erholt und befinden sich auf sehr tiefem Niveau. Kostende-ckende Holzschläge sind im Val Müstair nicht möglich, unabhängig von Eingriffsstär-ke oder Mechanisierungsgrad. Beiträge werden gestrichen, wie weiter…?
Arbeitslage
Im Val Müstair hat der Einsatz von Freiwilligen Tradition. Schüler, Lehrlinge und andere Gruppen führen regelmässig Arbeitslager durch. Bei der praktischen Tätigkeit im Wald erfahren die Jugendlichen, dass
- der Wald Teil unserer Landschaft ist
- der Wald zentral wichtig für Klima, Trinkwasser, Risikominimierung und für die biologische Vielfalt ist
- der Wald zu unserem Wohlbefinden, zu unserer Sicherheit sowie zur ökonomischen Wertschöpfung beiträgt
